... gelebte Tradition seit 150 Jahren!

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Geschichte der Casimiriana

ahv casi-305 002Das von Herzog Johann Casimir (reg. 1586-1633) 1605 gegründete „Gymnasium illustre“ (später Gymnasium Casimirianum) hatte als Besonderheit von Anfang an bis 1803 einen halbakademischen Charakter mit Universitätsprivileg, eigener Gerichtsbarkeit, Stipendien und Freitischen. Dies, sowie der zu allen Zeiten bestehende gute Ruf der Schule führte in Coburg schon frühzeitig zu einem akademischen Selbstverständnis der „Cives Casimiriani“. Bereits 1667 wurde am Gymnasium eine studentisch geprägte Landsmannschaft, bestehend aus Schülern Pommerns, der Mark Brandenburg und der Lausitz, mit „blau-gelber Liverey an den Hüten“ verboten.


Seit dem späten 18. Jahrhundert sind dann verbindungsähnliche Strukturen bekannt. So gibt es von 1808 an bis etwa 1843 Hinweise auf die Existenz einer Schülerverbindung mit Namen „Franconia“. In ihrem Umfeld taucht erstmals 1811 der Zirkel FCv! auf, der dann später von den Fratres Casimiriani bei der Gründung der Casimiriana übernommen wurde.

Von großer Bedeutung für das „burschikose Leben“ an der Höheren Landesschule sind die Besonderheiten des Casimirianums bei seinem alljährlichen Stiftungsfest, der „Auszug“ und die „Bekränzung“. Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis schreibt nach Auswertung des umfangreichen Quellenmaterials zu den Anfängen der am 16. Februar 1861 gegründeten „Gesellschaft Casimiriana“ und deren Namen auf S. 6 seiner 2005 erschienenen Edition „Casimirianum - Casimiriana“:

(…) Vielmehr interessiert hier die Klärung der besonderen Voraussetzungen für korporative Bindungen am Casimirianum, aus denen endlich die Casimiriana entstand. Ihre Freundschaft wurzelte im „Burschikosen“, einem studentischen Selbstbewusstsein, das sich in äußerlichen Merkmalen (Kleidung, Frisur), bestimmter Brauchausübung (Fechten, Kommersieren) und inneren (nationalen, liberalen) Einstellungen manifestierte. Dabei focussieren die Fragen nach der Disziplinausübung durch die Lehrer und dem burschikosen Treiben ihrer Schüler schnell und wie von selbst: In der Tradition
der schulischen Stiftungsfest-Feier und der von den Schülern zelebrierten Bekränzung der Gründerstatue am Altbau des Gymnasiums. Deren Anfänge liegen ebenso im Dunkeln, wie die Wurzeln des casimirianischen Schülerverbindungswesens. Doch zweifellos zählte der überkommene akademische Anspruch dieser ältesten Höheren Schule zu den Voraussetzungen ihres studiosen Schülertums, bildeten die Stiftungsfestivitäten jährlich auf Neue treibende Faktoren für eine Schülerverbindung sui generis, die nämlich in wesentlicher Weise mit ihrer Schule verbunden war. Der Schlüssel zu diesem Selbstverständnis lag und liegt auf der Hand, nämlich im Namen, der aus den „Cives Casimiriani“ die „Casimirianer“ in der „Casimiriana“ machte - eine um 1860 singuläre, weil auf eine Institution und ihren Gründer bezogene Korporationsbezeichnung; in einer großen Schar, in der es sonst von Arminia, Franconia, Germania, Teutonia und so weiter oder allenfalls von Absolvia, Abituria, Cerevisia etcetera wimmelte. (…)

Zur Gründung der "Gesellschaft Casimiriana" fanden sich im Jahre 1861 schließlich achtzehn Gymnasiasten unter der Führung der Unterprimaner Ernst Meusel und Emil Bahmann zusammen, um unter sich eine "eigene und würdige Gemütlichkeit" pflegen zu können. Die heute noch bekannte Gründungsurkunde enthält auch die erste Satzung.

 

Die Casimirianer trugen früher die allgemeine grüne Mütze ihrer Schule. Die damaligen Bundesfarben grün-gold-grün erschienen nur auf den porzellanenen Knöpfen ihrer Tabakspfeifen und auf den Deckeln der Biergläser. Erst am 12. August 1882 wurde das heute gebräuchliche schwarz-gold-grün als Verbindungscouleur eingeführt, das gold-grüne Fuxenband kam erst 1909 hinzu.

 

Im Laufe der Zeit erfuhr die Casimiriana durch die Schule wesentliche, ihren Bestand sichernde, Verbesserung ihrer Lage. Hatte sie schon von Anbeginn das Glück in der Person von Eduard Forberg, einem hervorragenden Pädagogen und Gymnasialdirektor gegenüberstehen, der meinte, „dass der Unterschied zwischen der Freiheit, welche die jungen Leute gleich nach dem Abgang auf die Universität genießen, in zu großen Kontrast zu derjenigen stehe, welche ihnen auf der Schule gestattet wird“ und deshalb gerne bereit war, seinen Schülern anstelle der sonst üblichen Schuldisziplin eine gewisse Freiheit zu gewähren. So ging sein Amtsnachfolger Dr. Weißmann noch weiter und erteilte der jungen Verbindung aufgrund ihrer Satzung vom 12. September 1868 die amtliche Genehmigung.

 

In der Casimiriana trat nach Eröffnung ihrer Freiheit bald das Verlangen nach repräsentativ-öffentlichem Auftreten hervor. Es kam zu den sogenannten „Großen Kneipen“ mit Gästen und Lehrern, zu Tanzausflügen, Theatervorführungen, ab 1889 zu den Fahrten nach Königsberg in Franken, den Bekränzungsfeiern zu Ehren des Stifters der alten Schule und zur Mitwirkung in Festausschüssen bei großen Schulfeiern. Ebenso wurden freundschaftliche Beziehungen zu anderen Gymnasialverbindungen, wie beispielsweise in Schleusingen und Hildburghausen gepflogen.

 

Der Zusammenhalt der ehemaligen Mitglieder mit der Aktivitas festigte sich von Jahr zu Jahr und führte nach dem Ersten Weltkrieg am 19. Juni 1919 zur Gründung des Altherrenverbandes. Ein wesentlicher Anstoß dazu war auch das Ausscheiden des damaligen Schuldirektors Dr. Heinrich Beck aus dem Schuldienst. Der „Alte Heiner“, wie Dr. Beck liebevoll von seinen Schülern genannt wurde, war selber Bundesbruder aus dem Jahrgang 1862.

 

Zur Sicherung des gesamten Besitzes der Casimiriana vor möglichen Eingriffen durch die Schule übernahm der Altherrenverband das reichhaltige Archiv der Aktivitas. Diese Vorsichtsmaßnahmen sollten  sich gut bewähren, als am 3. Dezember 1935 die Aktivitas aufgelöst werden musste, da die umfassende Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Institutionen schließlich auch den Aktivenbetrieb einer demokratisch strukturierten Schülerverbindung nicht mehr zuließ. Der Altherrenverband führte in den folgenden Jahren die Verbindung alleine weiter.

 

Am 28. Februar 1953 erfolgte nach einem vom Altherrenverband abgehaltenen Gründungskommers im ehemaligen Kneiplokal der „Cortendorfer Bierstube“ die Wiedergründung der Aktivitas. Ein vivat, crescat, floreat in aeternum wurde so bis auf den heutigen Tag sichergestellt:


limboDie Casimiriana konnte in den anschließenden Jahren rasch ihre traditionelle Stellung am Casimirianum und in der Coburger Gesellschaft wiedererlangen und pflegt bis heute ein von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägtes Verhältnis zur Leitung des Gymnasiums sowie zur Schulfamilie. Ihre Attraktivität insbesondere für die jüngere Generation, die nach wie vor für das Aktivenleben in einer Schülerverbindung zu begeistern ist, hat sie trotz ihrer mittlerweile 151 Jahre hierbei nicht eingebüßt. Neben den "Großveranstaltungen" wie z.B. dem 150. Stiftungsfest im Jahr 2011 tragen vor allem die regelmäßigen kleineren Zusammenkünfte dazu bei, die generationsübergreifende Freundschaft als Grundpfeiler des Lebensbundprinzips zu vertiefen. So können sich Altherren-Verband und Aktivitas der Casimiriana auch heute noch als junggebliebene Gemeinschaft von ca. 300 Bundesbrüdern präsentieren, deren Verbundenheit auf gemeinsamen schulischen Erinnerungen, gelebten wie fortentwickelten Traditionen und nicht zuletzt auf zahlreichen individuellen Freundschaften beruht!

 

 

Quellen:

1.       Brückner, R.: Casimiriana 1861 – 1961, Hundert Jahre einer Schülerverbindung, Coburg 1961.

 2.   Enser, N.: Die Geschichte der Casimiriana und das Leben der Aktivitas einst und jetzt. In: 125 Jahre Casimiriana, Coburg 1986.

     Kloosterhuis, J.: Burschikose Gymnasiasten. Quellen zur Schuldisziplin und Schülerverbindung am Coburger Gymnasium Casimirianum im 19. Jahrhundert. In: Casimirianum – Casimiriana, Festgabe der Schülerverbindung Casimiriana zu Coburg zum 400. Schulstiftungsfest des Gymnasium Casimirianum zu Coburg, Coburg 2005

 4.    Waas, O.: Die Pennalie, Graz 1967

 

 

 

 


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